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Es begann als journalistisches Projekt im Jahre 1999, als der in Deutschland lebende kalabrische Fotograf Francesco Sbano für das Nachrichtenmagazin Der Spiegel zum "Canto di Malavita", über Lieder vom Verbrecherleben also, in Kalabrien recherchierte. Zu dem Zeitpunkt ahnte niemand, dass daraus einmal eine musikalische CD-Trilogie entstehen würde, die jetzt mit ihrer abschließenden dritten Ausgabe "Le Canzoni Dell‘ Onorata Società" vollendet wird.
Es ist die Faszination für ein kulturelles Phänomen aus dem Kosmos der kalabrischen Mafia, der 'Ndrangheta, bei dem in geradezu stereotypischer italienischer Stilsicherheit und mit viel überzeugendem Pathos ein krimineller Hintergrund in all seinen Zeichen und Regeln zur Kunst erhoben wird, wenn Musik und Gesang sich mit ebenso poetischen wie brutalen Texten in ein vermeintlich harmloses Format von traditionellen Volksliedern hüllen.
Doch spätestens seitdem Hollywood der Mafia ein eigenes Filmgenre spendierte und Produktionen wie die Trilogie des Paten die italienischen Variante des organisierten Verbrechertums glorifizierten, mussten Opfer von Gewalt und Willkür aus dem Blickfeld der Aufmerksamkeit zurücktreten, um falschen Helden Platz zu machen, die sich zudem trefflich vermarkten ließen.
Dabei ist die Mafia ein Mythos ohne Götter. Ihre Geschichte beginnt in etwa 1861 mit der in weiten Teilen des Südens nachteilig angesehenen "Einigung Italiens" und lässt sich in ihrer frühen Ausprägung irgendwo zwischen Befreiungskampf und kommunistisch orientierten, gewerkschaftsähnlichen Aktivitäten ansiedeln. Zudem scheinen ihre Ziele oft von konkreten lokalen Bedürfnissen, Bedingungen und Begebenheiten abzuhängen. Ihren Liedern lässt sich entnehmen, dass es sich bei den Mafiosi nicht um entrückte Potentaten handelt, sondern um eine durchaus geerdete, in strenger Disziplin der Verschwiegenheit, Ehre und Blut organisierte Wertegemeinschaft, die kaum Auffälligkeiten von ihrem christlichen Äquivalent aufweist, wäre da nicht diese tödliche Konsequenz, nach der Regeln durchgesetzt werden.
Die CD-Trilogie der "Musica Della Mafia" lässt solche Schlüsse zu. Sie verhält sich wie ein spannendes Dokument der Zeitgeschichte, bei dem viele wissenschaftlich hochinteressante Stränge zusammenlaufen. Die Frage nach der Authentizität bleibt nicht nur für Musik- und Kulturwissenschaftler, Historiker, Kriminologen oder Romanisten spannend, sondern für alle, die sich mit den Auswüchsen so genannter Parallelgesellschaften beschäftigen. Insbesondere wenn Operanden wie beispielsweise die allumfassende Ehre konstituiert werden, zeigt das Mafia-Sujet einen hochaktuellen Bezug. Ehrenmorde sind eben kein italienisches, sondern ein typisches Phänomen, wenn Gesellschaften von Doppelmoral durchtränkt sind.
La Musica della Mafia III erscheint am 17.Oktober 2005!
Nach fast dreijähriger intensiver Recherche erscheint am 17. Oktober 2005 der dritte Teil der erfolgreichen CD Reihe “La Musica della Mafia”. Auch diesmal wurden wunderschöne traditionelle und zum Teil schockierend offen vorgetragene Lieder aus dem Kosmos der kalabrischen Mafia, der N’drangheta, zusammengetragen. Textlich und musikalisch wird es jedoch auch große Überraschungen geben. Trotz aller Härte in ihrer Botschaft wird die Musik teilweise lieblicher sein als auf den ersten beiden CDs, die Texte bisweilen sogar zärtlich. Denn es werden neue Themen besungen, die bisher in dieser CD Reihe noch nicht behandelt wurden. Die Freiheit. Und die Liebe. Näheres zu dieser Publikation finden Sie unter dem Menüpunkt "CD-Trilogie".